Hier könnt ihr mich durch ein Semester Modedesignstudium begleiten und euch mal ansehen wie ich denn in der Uni so arbeite und warum es 3-4 Monate braucht um nur ein einziges Outfit von der Idee bis zur Umsetzung, dem Fotoshooting und der Endpräsentation zu entwickeln.
Ich bin Modedesignstudentin im 4. Semester an der HTW Berlin und gebe hier ein paar Einblicke in meine Semesterarbeit des Faches Kollektionskonzept.
Was ist zu dem Fach zu sagen? Festgelegt sind dass es eine HAKA Kollektion wird mit dem Überthema „Life is a roadmovie“ . Farb- und Materialkonzept dürfen wir uns selber wählen (oft wird auch dieses gemeinsam festgelegt).
Normalerweise fängt man also erst mal mit der Recherche an. Welche Trends gibt es? Was soll es für eine Kollektion werden, Herbst/Winter oder Frühjahr/Sommer? Was denke ich bei diesem Thema? An was erinnert es mich oder womit verbinde ich es? Und dann werden fleißig Bilder, Fotos, Impressionen und auch Outfits gesammelt, aber auch Material und Farbstimmungen.
Im Normalfall bin ich eher der Bildermensch und sammele viele Moodbilder und Fotos von Outfits. Diesmal ist es anders. Ich gehe eher von einem Menschentypen aus, der Optik meines Models und einer Geschichte die ich mir dazu ausgedacht habe. Das ist auch für mich mal ein ganz anderer Weg.
Was ist also geplant?
Ein Herrenoutfit bestehend aus:
()Hose
()Shirt
()Jacke
Und eventuell etwas mehr, wenn ich noch Zeit haben sollte. Da wir uns aber im kurzen Sommersemester befinden ist das doch recht unwahrscheinlich.
Das Shirt:
Für das Shirt habe ich mir vorgestellt vllt etwas aus Kassettetape zu stricken. Dafür hab ich dann erst mal 38 alte Schrottkassetten für 3 Euro gekauft und die ersten Strickproben an der Strickmaschine gemacht, die wirklich erschreckend waren. Das Kassettentape reist unglaublich schnell und selbst mit einem zweiten Trägerfaden der stabiler ist, ist es noch sehr schwierig und noch dazu bin ich nicht gerade die Beste an der Strickmaschine.
Mit dem etwas dickeren Trägerfaden ging es dann besser.
Hier die ersten Strickproben. Ich habe kleine Beulen gestrickt die nicht nur unglaublich Zeitaufwendig sind, sondern meinem Dozenten auch überhaupt nicht gefallen haben. Ich werde also wohl wieder Abstand davon nehmen, da es zu viel Zeit verschlingen würde und ich dann noch viel Ärger damit hätte es immer zu rechtfertigen. Also stehen als nächstes Strickproben mit gesicherten Laufmaschen an.
Das gute Model tut mir im Übrigen jetzt schon leid. Das Tape sieht gestrickt zwar super aus und passt auch zu dem Roadmovie-Musiker, ist allerdings so angenehm zu tragen wie eine Küchenreibe und die Nippel werden wohl auch stark darunter leiden müssen :D
Die Jacke:
Für die Jacke würde ich sehr gerne mit transparent-milchigem Latex arbeiten. Da ich aber noch nie mit Latex gearbeitet habe, werde ich mich über ein paar Proben dort erst einmal hineinarbeiten müssen und sehen ob das denn alles so klappt wie ich mir das vorstelle.
Erst wenn die ersten Arbeitsproben gemacht sind und ich weiß wie was funktioniert und was ich damit als Unwissende überhaupt hin bekomme, kann ich die ersten Zeichnungen machen.
Das ist im Übrigen auch eine andere Herangehensweise. Manche zeichnen zuerst die Entwürfe und versuchen dann sie um zu setzten und andere machen erst Arbeitsproben zu den Ideen im Kopf um zu sehen wie was funktioniert und machen dann Entwürfe dazu.
Wie frustrierend ist es denn wenn man einen super tollen Entwurf hat und sich dann beim Erarbeiten eingestehen muss dass es so nicht funktionieren wird? Papier ist wirklich sehr geduldig.
Da ich ja in Latex keine Ahnung habe, habe ich mich erst mal an jemanden im Forum bei N&S gewendet, der mir auch eine wirklich tolle Seite gezeigt hat und war danach hier in Berlin im Blackstyle um mich weiter beraten zu lassen. Dort durfte ich mich dann fleißig an der Resteverschnittkiste bedienen um mich mit Stücken für erste Arbeitsproben einzudecken.